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	<title>Juratainment &#187; Literatur</title>
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		<title>Axolotl Copy/Paste</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 13:27:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Helene Hegemann, siebzehn Jahre alt und das amtierende Wunderkind der deutschen LiteraturBohème, hat ihren ersten Roman &#8220;Axolotl Roadkill&#8221; stellenweise abgeschrieben, von einem Autor, der sich &#8220;Airen&#8221; nennt. Das hat der Blogger Deef Pirmasens entdeckt &#8211; und ausschlagkräftige Belege (Link zeitweise nicht verfügbar) geliefert. Hegemann selber räumt das Abschreiben ein. Sie spricht von einer &#8220;Ablösung von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Helene Hegemann, siebzehn Jahre alt und das amtierende Wunderkind der <span style="text-decoration: line-through;">deutschen Literatur</span><a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,672725,00.html" target="_blank">Bohème</a>, hat ihren ersten Roman &#8220;Axolotl Roadkill&#8221; stellenweise abgeschrieben, von einem Autor, der sich &#8220;<a href="http://airen.wordpress.com/" target="_blank">Airen</a>&#8221; nennt. Das hat der Blogger Deef Pirmasens entdeckt &#8211; und ausschlagkräftige <a href="http://www.gefuehlskonserve.de/axolotl-roadkill-alles-nur-geklaut-05022010.html" target="_blank">Belege</a><em> (Link zeitweise nicht verfügbar) </em>geliefert. Hegemann selber räumt das Abschreiben ein. Sie <a href="http://www.buchmarkt.de/content/41393-affairen.htm" target="_blank">spricht</a> von einer &#8220;Ablösung von diesem ganzen Urheberrechtsexzess durch das Recht zum Kopieren und zur Transformation&#8221; und entschuldigt sich dafür, &#8220;nicht alle&#8221; Urheber der von ihr verwendeten Texte erwähnt zu haben.</p>
<p>Ein Skandal ist das nicht. <span id="more-111"></span>Im Gegenteil: Skandalös hätte ich es gefunden, hätte Hegemann sich tatsächlich selbst in all jene Exzesse gestürzt, die sie ihrer sechzehnjährigen Hauptfigur Mifti andichtet: Drogen, Alkohol, endlos durchwachte Nächte, Räusche bis zur Bewusstlosigkeit, anonymer Sex. Dass sie nicht selbst im &#8220;Berghain&#8221; war, ist geradezu beruhigend. Dennoch bleiben Fragen.</p>
<p>Die Ablösung vom &#8220;Urheberrechtsexzess&#8221;, so Hegemann, sei typisch für dieses Jahrzehnt. Die Musik- und Filmbranche würde das wohl anders ausdrücken, in der Sache aber zustimmen: Die technische Entwicklung hat die feine Linie zwischen erlaubter und verpönter Nachahmung in Bewegung gebracht, der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Remix">Remix</a> und das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mashup" target="_blank">Mashup</a> gewinnen an Verbreitung und Akzeptanz. Das Plagiat aber bleibt verpönt. Wer fremde Geistesleistungen als seine eigenen ausgibt, zieht sich Kritik, Häme und Spott zu &#8211; ob <a href="http://blog.beliebte-vornamen.de/2010/01/schlecht-abgeschrieben-mitteldeutsche-zeitung/" target="_blank">Journalist</a>, <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/pop/Men-at-Work-Plagiat;art971,3021023" target="_blank">Musiker</a> oder Schriftsteller. Vor allem, wenn er damit Geld verdient. Und die Gefahr, erwischt zu werden, wird immer größer. Die Generation Copy/Paste ist zugleich die Generation Strg+F (oder meinetwegen Apfel+F): Alles ist durchsuchbar, ob <a href="http://www.google.com">Texte</a>, <a href="http://www.tineye.com/" target="_blank">Bilder</a> oder <a href="http://www.idmt.fraunhofer.de/de/projekte_themen/query.htm" target="_blank">Töne</a>.</p>
<p>Der Konsens zwischen Urhebern und Adaptierern, wie auch immer er in Zukunft genau aussehen wird, wird also auf Transparenz nicht verzichten können. Hegemann erwähnt &#8220;Airen&#8221; seit der zweiten Auflage in ihrer <a href="http://www.gefuehlskonserve.de/gw2009/wp-content/uploads/danksagung2auflage.jpg" target="_blank">Danksagung</a> <em> (Link zeitweise nicht verfügbar)</em>, weist aber nicht auf seine Urheberschaft hin. Ich finde, das ist zu wenig.</p>
<p>Über die Sache wird bald Gras gewachsen sein. Neue Enthüllungen sind eher unwahrscheinlich, denn weitere Opfer ihres Adaptionshungers hat Hegemann <a href="http://www.buchmarkt.de/content/41393-affairen.htm" target="_blank">bereits selbst genannt</a>: &#8220;Maurice Blanchot, Kathy Acker, Pascal Laugier, Jonas Weber Herrera und alle meine Freunde&#8221; . Vielleicht weichen die überhitzten Hymnen nun rationaleren Betrachtungen; der gerade erst siebzehnjährigen Autorin dürfte das eher nützen als schaden. Die Quelle ihrer Inspiration, der Autor namens Airen, wird ebenfalls nicht allzu unglücklich sein. Er hat geholfen, ein Wunderkind zu zeugen, und das Wunderkind nennt ihn öffentlich einen &#8220;großartigen Schriftsteller&#8221;.</p>
<p>Ach ja, und wie ist das Buch? Ich habe mich beim Lesen oft gelangweilt, aber das liegt am Genre, nicht am Stil. Der Autorin traue ich noch einiges zu. Kostprobe gefällig? Hier ein schönes Mashup aus Wikipedia-Prosa und Körperausscheidungs-Literatur:</p>
<blockquote><p>&#8220;Unter der Dusche prasseln mir in Zeitlupe Tropfen entgegen, die durch den Einfluss der Oberflächenspannung bestrebt sind eine Kugelform zu erlangen.</p>
<p>Entgegen der allgemeinen Annahme hat ein Wassertropfen zu keinem Zeitpunkt eine Tropfenform, diese zweidimensionale Scheiße, die auf der einen Seite rund ist und auf der anderen spitz zuläuft. Um mich abzutrocknen zerre ich ein türkisfarbenes Laken aus der Schmutzwäsche, das die letzten beiden Monate gemeinsam mit zwei vollgekotzten Kleidungsstücken in einem großen Behälter verbracht hat. Ist das die Kotze eines Wildfremden, der mich in einer stark frequentierten Unisextoilette überrascht hat? Ist das meine Kotze? Bringt mich das mir jetzt irgendwie näher? Ich fange offenbar echt an, die wichtigsten Details zu vergessen.&#8221;</p></blockquote>
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