Juratainment | Punkt, Punkt, Paragraf

Die “Jumbo Coin”-Option

Bis es hier endlich weitergeht (so jedenfalls der feste Vorsatz!) ein wenig Fremd-Juratainment. Jack Balkin hat aus dem Problem, wie Obama um die Schuldengrenze herumkommt, eine kleine Räuberpistole gebastelt:

“That’s a big F’ing deal.” Biden laughed.
“You said, it, Mr. Vice-President,” Obama chuckled.

(via)

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Neues Asterix-Team

SPIEGEL Online meldet, dass Albert Uderzo sich zurückzieht und ein neues Team neue Asterix-Folgen zeichnen wird. Seit ich das gelesen habe, schwanke ich zwischen Hoffnung und Bange.

Eine meiner Lieblings-Simpsons-Folgen ist Die wilden 90′er aus dem Jahr 2008. Mit dieser Folge verschob man Homers Jugend um zwanzig Jahre nach vorne, aus den 70ern in die 90er. Statt der bekannten Provinzstoffel-Jugend unter Hippies dichtete man Homer nun eine respektable Grunge-Rock-Karriere an. Auf Widersprüche zu den früheren Folgen nahm man dabei keine Rücksicht, insbesondere nicht auf Homerpalooza. Zum Glück! Damit zog man die seit 20 Jahren alterslosen Simpsons beherzt in die Gegenwart.

Und nun zu Asterix. Wenn ich mir als altgedienter Fan etwas wünschen darf, liebe Uderzo-Nachfolger, dann das: Probiert was Neues aus! Es muss nicht gleich perfekt werden, keiner erwartet von euch ein zweites “Asterix bei den Briten”. Es genügt, wenn ihr den Unfug der letzten 20 Jahre vergessen macht. Blickt nach vorn, entwickelt die Figuren weiter! Stellt das Gallische Dorf auf den Kopf, experimentiert mit anderen Zeichenstilen, streicht mindestens Miraculix und Troubadix und bitte, bitte, verjagt jeden vom Tisch, der die verhängnisvolle Frage stellt: “Wohin können wir die beiden denn diesmal schicken?”

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E Pluribus Meum

Der beliebteste Politiker Deutschlands ist beim Abschreiben erwischt worden. Etliche Passagen seiner Doktorarbeit stammen offensichtlich aus älteren Veröffentlichungen – man hat bereits aufgehört zu zählen. Der Ertappte hat den Vorwurf zurückgewiesen (“Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung”), sein Doktorvater hat ihn verteidigt (“Diese Arbeit ist kein Plagiat”). Andere verlangen den Widerruf des Doktortitels. Angela Merkel macht unterdessen, was sie immer macht: Abwarten.


Einleitung der Dissertation von zu Guttenberg (Ausriss: FAZ.net)

F.A.Z. vom 27.11.1997 (Ausriss: FAZ.net)

Währenddessen laufen die Medien zu Hochform auf. Google News zählt über 1.400 Artikel zum Thema, die Süddeutsche Zeitung und SPIEGEL Online basteln hübsche Flash-Animationen, und für ein paar schale Witzchen ist auch noch Platz.

Plagiat-Skandale sind ein wunderbares Thema. Eine öffentliche Person stolpert, und nun wollen alle sehen, ob sie stürzt. Das kann Tage dauern, Wochen sogar, in denen es viel zu berichten gibt: Von wem hat der Betroffene außerdem noch abgeschrieben? Wie unterstützen ihn seine Freunde? Welche Konsequenzen fordern seine Gegner? Was sagen die “Experten” zur Lage?  Und während das wohlige Schauern des Zuschauers bei Fremdgeh-Geschichten und anderen Privatdingen immer einem pflichtschuldigen Naserümpfen Platz lassen muss, lässt sich ein Plagiat-Skandal ungetrübt genießen. Es geht ja schließlich auch um die berufliche Zuverlässigkeit. Bei zu Guttenberg kommt die Fallhöhe hinzu: Ausgerechnet der! Die Zukunftshoffnung der deutschen Politik! Wenn der schon abgeschrieben hat, was haben dann die anderen gemacht?

Und genau darauf wartet die Öffentlichkeit jetzt: Auf weitere Skandale, auf weitere Sünder. “Schafft mehr Dissertationen heran!”, schallt es durch die Räume der Redaktionen. Den Volontären und Redaktionsassistenten in Deutschland stehen ein paar sehr mühsame Tage bevor.

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James Bond 007: Essential Wisdom

Liebe James-Bond-Drehbuchschreiber! Folgendes Exposé gebe ich unentgeltlich ab:

Der charismatische Freigeist Blofeld (Gary Oldman) taucht in unregelmäßigen Abständen in der Presse auf, weil er geheime Informationen veröffentlicht, die ihm Zuträger zugespielt haben. Aufsehen erregen vor allem Dokumente der US-Streitkräfte über Aktionen im Irak und die Veröffentlichung geheimer Auslandsdienst-Depeschen der US-Botschaften. Blofeld sieht sich anfangs noch als Idealist, der die Freiheit jeglicher Informationen erreichen will. Seine zunehmende Macht und sein exzentrischer Lebenswandel verschaffen ihm eine Menge Feinde.  So sieht er sich u.a. Vergewaltigungsvorwürfen ausgesetzt. Als Blofeld sich zunehmend isoliert fühlt und enge Mitstreiter ihn verlassen, kehrt er Schritt für Schritt seinen anfänglichen Idealen den Rücken und verschreibt sich einem immer bedingungsloseren Kampf um Macht über die Mächtigen der Welt. Als ihm Interna einer Bank zugespielt werden und diese Bank ihm 250 Millionen Dollar für deren weitere Geheimhaltung anbietet, nutzt er die Chance: Er nimmt das Geld und baut davon eine geheime Festung in Ecuador, wo ihm bedingungsloses Asyl angeboten wird. Von dort aus widmet er sich gemeinsam mit einigen Anhängern (“Jüngern”) und etlichen bezahlten Experten der Informationsbeschaffung. Als es ihm gelingt, brisantes Filmmaterial über den Thronfolger des britischen Königshauses zu beschaffen, wird der MI6 eingeschaltet.

James Bond (“Die Zukunft der Krone steht auf dem Spiel, Bond”) begibt sich auf die Spuren Blofelds. Zunächst macht er Blofelds Freundin (Megan Fox) ausfindig, mit der er ein Verhältnis anfängt, deren genaue Rolle aber zunächst undurchsichtig bleibt. Sie gibt ihm – scheinbar versehentlich – den Hinweis, dass Blofeld eine Tarnfirma in Oslo unterhalte, die Kontakte zu den zahlreichen Informanten aufrecht erhält. Die Tarnfirma entpuppt sich allerdings als Falle: James Bond wird überwältigt und nach Ecuador verschleppt. Dort aber (“ich bin kein Killer, Mister Bond”) setzt Blofeld ihn nach einigen Machtdemonstrationen (“Mein Computer, meine Frau, mein Boot”) wieder auf freien Fuß, verabreicht ihm allerdings eine Droge, die ihn das Gesehene vergessen macht.

In den darauffolgenden 45 Minuten versucht Bond sich zu erinnern, wohin Blofeld ihn verschleppt hatte. Dazu gibt es Verfolgungsjagden, Schießereien und Explosionen in Kinshasa, Ottawa, Tokio und in Ladakh/Indien. In der Zwischenzeit beginnt Blofeld von Ecuador aus, die Regierungen der Welt mit korrumpierenden Informationen zu erpressen. Dadurch gelingt es ihm, eigene Mitarbeiter in hohe Ämter einzuschleusen. Bond wird vom Fall abgezogen, schöpft aber den Verdacht, dass Blofeld dahintersteckt, und ermittelt auf eigene Faust weiter. Es gelingt ihm, sich – als Personal verkleidet – auf Blofelds Yacht einzuschmuggeln, und folgt ihm von dort aus bis nach Ecuador. Dort folgt die gepflegte Schlussschießerei, bei der Bond vor das Dilemma gestellt wird, auf Unbewaffnete zu schießen, die Blofeld so sehr hörig sind, dass er sie als “lebende Schutzschilde” benutzt. Er schießt ohne Zögern. Bond findet Blofeld, wirft ihn in den Serverkühlraum und dreht den Temperaturregler ganz herunter. Blofeld endet als Eisblock. Bond nimmt einen Stapel Datenträger aus der kollabierenden Festung mit, wirft sie aber in der letzten Szene aus dem Zugfenster. Die letzte Einstellung zeigt einen costaricanischen Bauern, der die Datenträger aufhebt und an seine Hütte nagelt. Abspann.

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En attendant Elmùt Côl

Freitagnachmittag auf der Buchmesse. Seit 30 Minuten steht Kai Diekmann auf Warteposten vor Halle 3, es wird also jemand Wichtiges erwartet. Wer ist es? Die Security hält sich bedeckt: „Das möchten wir nicht sagen“. Von den Umstehenden erfährt man mehr: „Helmut Kohl“. Wissendes Nicken, weitere Worte nicht nötig.

Kai Diekmann, in echt sieht er noch gegelter aus als auf Fotos, ist mittlerweile ungeduldig geworden. Eben noch hat er Smalltalks geführt, fröhlich gelächelt und elegant gestikuliert. Nun ist die Vorfreude aus seinem Gesicht gewichen, genervt wippt er auf und ab, die Hände in den Hosentaschen. Immer mehr Schaulustige kommen hinzu und erfahren von den Umstehenden, was es zu schauen gibt. Ein Hornbrillenträger posaunt in sein Handy: „Hier stehen lauter kleine Kanzler und warten artig auf ihren Helmut!“ Die kleinen Kanzler ignorieren ihn angestrengt. Ein paar hundert Meter entfernt verkauft die „Titanic“ unverdrossen ihre uralten Kohlwitz-Poster.

Da endlich! Diekmann unterdrückt Erleichterung: Ein silberner Geländewagen mit Ludwigshafener Kennzeichen fährt vor. Doch er bleibt nicht bei Diekmann stehen, er fährt zwanzig Meter weiter. Diekmann trägt’s mit Fassung und tut so, als sei er gar nicht beteiligt. Wäre er eine Katze, er würde sich jetzt hinter den Ohren kratzen. Dazu hätte er sogar Zeit: Der Altkanzler springt nicht einfach aus dem Auto, der Altkanzler braucht einen Rollstuhl. Minutenlang umringt die Menge, die sich inzwischen gebildet hat, das Auto und schaut beim Aussteigen zu. Dann ist es so weit, der Altkanzler bewegt sich vorwärts, Diekmann ist jetzt natürlich bei ihm, er redet auf ihn ein, Kohl lächelt zurück, die Menge zückt schweigend ihre Handys, ihre Kameras, kein Applaus, keine „Helmut, Helmut“-Rufe, nicht mal Eier werden geworfen, und dann sind sie auch schon drinnen.

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Direktwahl des Bundespräsidenten?

Aus der Sicht der Bevölkerungsmehrheit hat gestern der falsche Kandidat die Bundespräsidentenwahl gewonnen: Der Kandidat der Parteiendemokratie nämlich, der Kandidat der politischen Hinterzimmer, der Kandidat der kaputten Koalition. Verloren hat der Kandidat der Herzen. So ist es kein Wunder, dass die Rufe nach einer Direktwahl des Bundespräsidenten nicht abreißen wollen: Warum dürfen wir uns unser Staatsoberhaupt nicht selber aussuchen?

Hierfür gibt es eine ganze Reihe guter Gründe. Weiterlesen ›

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Katzenberge rauf!

Die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt neigen sich dem Ende zu, und wer gemeinsam mit mir dazu beitragen möchte, dass Sabrina Janesch mit ihrem wunderbaren Romanauszug “Katzenberge” [PDF] (Lesung als Video) den Publikumspreis gewinnt, kann hier bis heute, 20 Uhr, an der Abstimmung teilnehmen:

http://www.3sat.de/bachmann/2010/index_autoren.html

Danke!

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Horst und jetzt?

Horst Köhler ist zurückgetreten. Ab heute hat die Bundesversammlung 30 Tage Zeit, einen neuen Präsidenten zu wählen (Art. 54 Abs. 4 GG), wenn nicht das Grundgesetz noch eilig geändert und Stefan Raab mit der Auswahl betraut wird.

Wer wird Köhler nachfolgen? Weiterlesen ›

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Keine Anarchie in Friedewald-Motzfeld

Was – außer “dem Internet” – kein rechtsfreier Raum ist:

  • Fußball
  • Schule
  • ein Reggaefestival
  • Nachbarschaft
  • Taubenzucht
  • Friedewald-Motzfeld
  • ein Taxi
  • die Skipiste
  • das All

(Quelle: Google)

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Reality Check

Die Uni, ein Elfenbeinturm?

Das bewegendste Schicksal, das mir in viereinhalb Jahren als akademischer Mitarbeiter an der BTU Cottbus begegnet ist, war der Fall der russischen Studentin, die um ein Haar nicht hätte weiterstudieren dürfen, weil sie den obligatorischen Sprachkurs nicht bestanden hatte. Ihr wurde Aufschub gewährt, und am Ende war alles gut. Am meisten aufgeregt hat mich der erste entdeckte Pfuschversuch in einer Klausur; den habe ich persönlich genommen. Sonst war nicht viel. Jetzt habe ich einen neuen Job, und alles ist anders. Weiterlesen ›

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